So, um euch mal ein wenig in das Pariser Leben einzuführen, habe ich eine neue Kategorie eingerichtet, mit dem Titel: Paris pour débutants – Paris für Anfänger! Und damit ihr gleich mal wisst, wie man sich in Paris fortbewegt, handelt der erste Artikel dieser Rubrik von der Metropolitain!
Die Pariser Metro besteht aus 14 verschiedenen Linien und hat eines der verwirrendsten Streckennetze, die ich jemals gesehen habe. Dennoch funktioniert das System recht gut und laut Angabe des Betreibers, die RATP, ist kein Ort der Pariser Innenstadt weiter als 300m von einem U-Bahn-Eingang entfernt. Da kann man schon mal auf eine geordnete Verkehrsplanung verzichten (zumindest
wenn man Pläne lesen kann).
Pariser Metroplan

Orientierungslose Oma
Zugang zum unterirdischen Verkehrsnetz wird gewährt, nachdem man sein Ticket in eines der Zugangsportale gesteckt hat, die sowohl mit Drehkreuz als auch mit einer dahinterliegenden Tür gesichert sind. Ohne Ticket also kein Einlass. Und selbst wenn man ein Ticket besitzt, kann es manchmal ziemlich kompliziert sein, die Metro zu betreten, z.B. wenn man einige Einkaufstüten dabei hat. Dafür sind die Preise ganz ok. Ein Einzelticket kostet 1,40€ und ist so lange gültig, bis man die Metro wieder verlässt. Darüber hinaus kann man sich gleich 10 Einzelticket im Paket für 10,90€, eine Wochenkarte für 16€ oder ein Monatsticket für 50€ kaufen. Trotzdem fahren die Pariser auch gerne mal schwarz und zwängen sich zu zweit durch ein Drehkreuz oder hüpfen, nachdem man selbst das Drehkreuz passiert hat, schnell hinterher. Als altruistischer Fahrgast hält man die Tür dann auch solange auf, bis derjenige hindurchgeschlüpft ist und sich mit einem freundlichen Merci bedankt hat.

Metro-Eingang
Ich selbst habe das auch schon zweimal gemacht, benutze in der Regel aber die Wochentickets, abwechselnd mit den 10er-Karten. Je nachdem, wie viel ich gerade unterwegs bin. Das Wochenticket gilt nämlich von Montag bis Montag, egal, an welchem Tag man es kauft. Und bevor ich mir am Donnerstag noch ein Wochenticket kaufe, überbrücke ich die paar Tage lieber mit ein paar Einzeltickets. Sobald ich meinen Studentenausweis in den Händen halte, werde ich sowieso die Imagine R beantragen. Diese Jahreskarte kostet für Studenten 270€ und beinhaltet den sogenannten Navigo-Pass, der einem erlaubt ohne lästiges Rauskramen von Tickets, den Eingang der Metro zu passieren. Zudem kann man mit der Imagine R alle Metros, Busse und RER’s (Réseau Express Régional – ein Zugsystem, dass Paris mit den umliegenden Städten der Region Île-de-France verbindet) benutzen, so dass ich gewissermaßen wieder ein Semesterticket besitze, nur für Paris. Da die Pariser Innenstadt aber nicht allzu groß ist, kann man auch mal ein paar Stationen zu Fuß gehen, wenn es nicht gerade regnet. Ansonsten muss man sich ohnehin in die Metro flüchten und zwar ziemlich weit, denn das Wasser macht auch vor den langen Tunneln nicht halt. Ist man erstmal auf dem Bahnsteig angekommen, kann man es sich dann auf einem der zahlreichen Sitzgelegenheiten gemütlich machen und auf die nächste Bahn warten.

Sitzgelegenheiten
Der ein oder andere Pariser Clochard verbringt dort unten auch schon mal den ganzen Tag, jedenfalls bis die Tore der Metro gegen 1 Uhr nachts verschlossen werden. Dann müssen alle die unterirdischen Gänge durch die futuristischen Ausgänge verlassen haben.

Metro-Ausgang
Angeblich werden verlassene oder ungenutze Metrotunnel nachts von Pariser Jugendlichen genutzt, um Partys zu veranstalten. Mal sehen, ob sich dazu was rausbekommen lässt. Die unendlich langen Tunnel sind bestimmt gut dafür geeignet, denn die Akustik ist ziemlich gut und wird auch sehr gerne von Straßenmusikanten genutzt. Ansonsten sind die riesigen Katakomben aber eher lästig. Die Wege sind lang und auch die Zeit, die man zum Umsteigen braucht, sollte man nicht vernachlässigen. Wer glaubt, der Weg in Stadtmitte wäre lang, kann sich hier einmal anschauen, wie ich an der Metrostation Bastille von der M1 in die M8 umsteige.
Einmal umsteigen bitte!
Ansonsten sind die Metros aber ein gutes Verkehrsmittel. Die Bahnen erreichen ihre Stationen im 2min-Takt und auf die Pünktlichkeit kann man sich bis spät in die Nacht verlassen. Die einzelnen Wagons sind zwar nicht besonders geräumig, aber übermäßig voll habe ich die Metro auch noch nie erlebt.


Falls das aber doch mal eintritt, ist man angehalten von den Klappsitzen aufzustehen, die einen Großteil der Sitzgelegenheiten bilden, um so mehr Platz zu schaffen. Darauf wird man sogar auf Schildern hingewiesen. Das man seine Finger nicht zwischen die Türen stecken sollte, wird einem auch nochmal gesagt. Wie ich finde, in besonders anschaulicher Weise.

Metro-Hase
(Paris, 22:52 Uhr, Klare Nacht, 17°C)
